Donnerstag, 21. Juni 2012

Zu spät zu spät zu spät

Wir stecken gerade Hals über Kopf in unseren Hurricane-Vorbereitung. Von daher gibt es jetzt  nur eine kurze Auflösung unser Top 4 der Hurricane-Vorfreuden: Platz 1 ist ganz klar: Rise Against! Das gibt ne Party.

Jetzt begeben wir uns auf die Suche nach Panzertape und Schlafsack und los geht's zum Hurricane.

Montag, 11. Juni 2012

Breaking the Habit... Not!



Das Universum hat manchmal eine ganz besondere Art, uns subtil in die richtigen Bahnen zu lenken und uns wieder dorthin zu bringen, wo wir hingehören.
Zum Beispiel dadurch, dass es mir - nachdem Miss Hatter und ich letztes Jahr beschlossen hatten, das Hurricane als Sommerfestival auszuprobieren (eine Entscheidung, die mir nach fünf Jahren Ring vernünftig erschien, wenn ich ihr auch mit Wehmut begegnete)-   dass es mir also permanent Zeitungsartikel, Facebook-Updates und jegliche Art von Werbung rund um den Ring ins Gesicht schleuderte. 


Nur um dann Miss Hatter und mir, auf dem Höhepunkt meines eigenen Heimwehs zum Ring, super-last-minute Festivaltickets zu bescheren- die wir, in einem Anflug spontaner Unzurechnungsfähigkeit und temporären Wahnsinns erstanden. Am Dienstagabend.

Nur zwei Tage und einige Stunden Spazierfahrt durch die Eifel später befanden wir uns also auf einem der weiter abgelegenen Zeltplätze (lies:  am Arsch der Welt) und errichteten unser Zelt neben vielen anderen Neuankömmlingen im Schein einer Taschenlampe, zum wohlklingenden Gegröhle unserer Nachbarn und dem zarten Duft von Cannabis. Pure Festivalromantik also, ich war zu Hause.
Rock am Ring 2012 stand ganz unter dem Motto: Back to the Roots.  Nach Jahren voller Indie-Pop und Hipster-Musik wurde dieses Jahr ROCK wieder groß geschrieben. Dickes Pommesgabel-Hoch dafür.


Eingeläutet wurde das Festival daher  mit Steel Panther an der Alterna, einer Band, die so dermaßen 80er Trash Metal ist, dass es manchmal weh tut. Mein Lieblingstitel war übrigens „17 Chicks in a Row“.
Weiter zur Centerstage, wo wir in heiterem Sonnenschein ein Konzert mit den Subways genießen durften: tolle Setlist, viel gute Laune, leider nicht ganz so toll wie 2009, aber absolut sehenswert.
Weiter ging es mit Cypress Hill, lasst uns erst gar nicht drüber reden. Alles, was ich sage ist: ‚Insane in the Brain!!!‘
Danach ging es munter weiter mit Kasabian, die, genau wie vor zwei Jahren auch, ihr Ding durchzogen. Anders kann man das gar nicht nennen. Beth Ditto von The Gossip weiß, wie man ein Publikum aufweckt und zog sich erst mal aus, dann lief sie munter singend durch die Menge vor der Bühne und trug von da an eine Regenbogenflagge, die ihr ein Fan geschenkt hatte. Chapeau, Madame Ditto.


Man merkt es, wir nähern uns dem Headliner.  Und für mich waren Linkin Park genau das: DER Headliner. Vor fünf Jahren hatte ich sie in einem Zustand totaler Erschöpfung gesehen, jetzt waren wir mittendrin und voll dabei. Die Setlist war eine perfekte Mischung aus nahezu allen Songs von Meteora, allen Singles von Hybrid Theory, und den paar anderen  Songs, die seitdem Bekanntschaft erlangt haben: What I’ve Done, Bled It Out, New Divide, usw. Erfreulich viel Fokus lag also auf Songs, die der ganze Ring aus vollstem Herzen mitbrüllen konnte, vorzugsweise mit warmer Erinnerung an den Seelenschmerz aus Teenagertagen. Kein Wunder also, dass mir, als um mich herum hunderte von Stimmen ‚Numb‘ von vorn bis hinten mitsangen bis Chester Benningtons Stimme in den Hintergrund rückte, die ein oder andere Gänsehaut den Rücken herunterlief. So auch, als wir die Bridge von ‚In The End‘ alleine singen durften, oder bei meinem persönlichen Lieblingslied, ‚Breaking the Habit.‘

Ein bisschen Marilyn Manson haben wir uns dann noch angesehen, aber mal ehrlich, der konnte bei mir nach so einem tollen Konzert dann auch nichts mehr reißen.

Am Samstag ging es also frisch und munter weiter: Mit unseren Tetrapacks bewaffnet machten wir uns auf den Weg vor die Centerstage, wo wir in Gesellschaft einiger recht netter Menschen die ziemlich lauten Gojira und danach Shinedown genossen. Fälschlicherweise als Poprock abgestempelt, brachte sich mir die Band kürzlich durch ihren Beitrag zum Avengers Soundtrack wieder in mein Gedächtnis, und ich liebe ihr Album ‚Amaryllis‘. Solider härterer Rock, der gerade live viel Spaß macht, und dieses Konzert zu meinen heimlichen Favoriten macht- ebenso wie Shinedowns Nachfolger, die Hardcorer Enter Shikari. Zugegebenermaßen kannte ich natürlich erst mal nur ‚das Lied mit dreimal Klatschen‘ , freute mich aber zurecht auf die Band aus England: Frontmann Rou Reynolds sprang fröhlich durch die Menge, ungeachtet der Kabelsalates, den er damit verursachte, und er, seine Bandkollegen und natürlich ‚Sorry You’re Not‘ in Liveversion machten den Auftritt zu einem weiteren Favoriten von Miss Hatter und mir.

In den Umbaupausen, das sei hier erwähnt, scheute SWR3, das Rock am Ring Radio, weder Würde noch Mühen, um uns zu erzählen, wie viel Spaß wir doch hatten, und uns mit peinlichen Radiomoderatoren und unnützen Entertainment zu unterhalten. Hurra, ihr Poser, danke dafür.
Refused, eine neuaufgelegte Punkrock Band aus Schweden, war aus unerklärlichen Gründen einfach nicht unser Fall, aber sie wussten ja selbst nicht so genau, warum sie eigentlich da waren. Weiter also zu Tenacious D, klarer Favorit beim männlichen Publikum (dass dieses Jahr sowas von deutlich überwog). Spaß hat das Konzert gemacht, Miss Hatter etwas mehr als mir, denn irgendwie ist der Humor dann doch nicht ganz meiner, und ich werde einfach nicht gerne von Bühnendekoration mit Papierspermien bespritzt, aber Jack Black ist ein witziger Typ.


Billy Talent gingen leider ein wenig unter im allgemeinen Gedrängel, das man um diese Zeit in der dritten Reihe anzutreffen pflegt, sind aber einfach ne klasse Band und waren zwar nicht besser als damals 2009, aber doch klasse. Nach diesem Konzert haben Miss Hatter und ich uns auch erstmals in unserer Konzertkarriere rausziehen lassen- voll tolle Erfahrung- und haben uns dann Metallica aus gemütlicher Ferne angesehen, um am Ende noch die zweite Hälfte des Hives-Konzertes an der Alterna zu sehen. An dieser Stelle sei erwähnt, dass die Hives ein saucooler Haufen sind. Ende.


Der Sonntag bahnte sich als leicht stressig an: Nicht wenige hatten unseren genialen Plan, in den A-Bereich der Center zu gelangen, durchschaut und so stürmten wir mit unzähligen anderen über das Gelände. Der Plan ging auf, das Wetter meckerte: Bereits eine Stunde vor der ersten Band waren wir nass bis auf die Haut, und das trotz schicker Fetsivalwear aus Mülltüten. King Charles hat uns dann auch nicht wirklich aufgemuntert, dafür aber die Donots. Alte Festivalhasen die sie nun mal sind, wussten sie sofort, wie man ein nasskaltes Publikum auf Touren bringt: Circlepit, Wall of Death, eine Runde Müll schmeißen, Arme wedeln, klatschen, Mami anrufen, mitsingen. Am liebsten hätten wir sie gleich dabehalten. Dick Brave and the Backbeats waren gewohnt charmant, witzig und musikalisch versiert (lies: cooler Sauhaufen), hatten aber wohl mit dem männlichen, hauptsächlich punkrockigen Publikum etwas zu kämpfen.

Nicht so die Dropkick Murphys, Irish Punk Rocker aus Boston: Auf der wirklich tollen Setlist fehlte mir nur ‚Walk Away‘, und das haben sie mit ‚Shippin‘ Up To Boston‘  mehr als kompenisert. Neben einem meiner All Time Favourite Songs Ever unterhielten die Herren mit dem kahl scheren ihrer Geigerin und Sänger Al’s gutem Deutsch. Klasse Band, nochmal bitte.

The Offspring, im zärtlichen Gedränge des Vize-Headliners erlebt, waren aufgewärmter als 2008 und gewannen Sympathiepunkte durch ihr Lob an uns: weil wir da nass und im Regen standen, was wir bis dahin eigentlich vergessen hatten. Und wieder: klasse Setlist aus den Klassikern, in kluger Voraussicht so arrangiert, dass der Ring erst beim letzten, ‚Self Esteem‘, ernsthaft Gefahr lief, aus den Angeln gehoben zu werden.


Und dann  war es auch schon Zeit, sich ein bisschen zu verkrümeln: Miss Hatter und ich wichen den hartgesottenen Hosen-Fans und lehnten uns hinten an den Wellenbrecher: Campino kam ja sowieso vorerbeigesurft.  Obwohl keiner von uns beiden ein großer Fan der Toten Hosen ist, waren wir uns einig: dieses Jubiläumskonzert durften wir auf keinen Fall verpassen. Kluge Idee, denn auch s hatten wir sehr viel Spaß: zum Beispiel als Bad Religion Sänger Greg Graffin für ein Gastspiel vorbeischaute, der ganze Ring ‚Eisgekühlter Bommerlunder‘ gröhlte (Schin-ken!!!), oder Campino auf dem Technikturm ein Bengalisches Feuer anzündete, dass ihm dann keiner wegnehmen konnte.
 

Kein Wunder also, dass wir schlussendlich nur noch ein bisschen Deichkind sehen konnten, bevor wir uns (zu Fuß!!! Was eine blöde Idee!!!) auf den Heimweg machten, begleitet vom Scheinwerferlicht der ersten Heimkehrer und, obwohl erschöpft und müde, sehr, sehr froh, dass wir dabei waren.

Und wenn wir Helga leider noch immer nicht gefunden haben, so war Rock am Ring 2012, kurz gesagt: … leider geil.


Mal sehen, ob das Hurricane Schritt halten kann. Die Zeit bis zum Festival schmilzt dahin und wir sind bei Platz 2 der Hurricane-Festival-Vorfreuden angekommen. Das Jubiläum der Toten Hosen war echt gut, mal sehen ob die Ärzte nachziehen.  Wir hoffen auf himmelblaues Wetter.